Quasi wie die Jungfrau zum Kinde sind wir zu dritt zu einem Vortrag bei Die Linke zum Thema Antifaschismus gekommen. Zugegeben sehr ungewöhnlich, da Die Linke ja nicht gerade zum Fankreis der Bundeswehr gehört. Aber als überparteiliche Organisation sind wir natürlich auch in dieser Beziehung schmerzfrei.
Der Empfang gestaltete sich überaus freundlich. Bei Die Linke ist man direkt per Du. Auch etwas gewöhnungsbedürftig, aber wir sind ja flexibel. Mit 16 Besuchern plus Referenten ausschließlich uns dreien war die Veranstaltung sogar ganz gut besucht. Es hat mich dann doch überrascht, dass Die Linke im Kreis Viersen so viele Anhänger hat.
Als Referent trat Daniel Wittmer aus Berlin auf, der bei Die Linke für die politische Bildung die Verantwortung trägt.
Einleitend wurden Zitate aus Thilo Sarrazins Interview im Lettre International gebracht. Als Beispiel für rechte Sprüche, ohne direkt Rechtsextremist zu sein. Erstaunlich war hier die Trennung von Duktus und Inhalt. Richtig ist, dass Thilo Sarrazin eine sehr rustikale Ausdrucksweise pflegt. Richtig ist aber auch, dass ihn in der Sache bisher noch niemand kritisiert hat, da die Zahlen und die Sachlage einfach für sich sprechen.
Dem Vortrag selber fehlte leider etwas der rote Faden. Daniel Wittmer hangelt sich mehr oder weniger am Programm der NPD entlang, die anscheinend das große Feindbild darstellt. Was niemand auffiel, war allerdings, dass die kritisierten Methoden usw. im Umkehrschluss auch für Die Linke gelten. Es kommt also auf die Perspektive an.
In erster Linie rechtes Denken wurde an verschiedenen Punkten festgemacht. Statt Nationalismus sagt man heute allerdings Chauvinismus. Dann waren da noch Rassismus, Ungleichbehandlung der Frau, Betonung der Ungleichheit der Menschen und irgendetwas, dass ich vergessen habe. Toleranz gegenüber anderen Glaubensrichtungen vielleicht? Spaßeshalber treffen alle diese Punkte auf den iranischen Präsidenten zu.
Womit ich noch zu einem speziellen Punkt komme, nämlich dem Antiislamismus. Eine Unterscheidung zu Islamkritik wurde leider nicht gemacht, weshalb ich nun davon ausgehen muss, dass ich bei diesem Thema von rechtem Denken beherrscht werde. Allerdings lässt es sich damit sehr gut leben.
Fazit, der Besuch hat sich gelohnt, um einmal die Herrschaften von Die Linke kennen zu lernen, wo allem, wie da so gedacht wird.
Ob die NPD dauerhaft als Feindbild taugt, darf bezweifelt werden. Eine 1,5% Partei auf dem absteigenden Ast stellt keine Gefahr für die Republik dar und kann auf Dauer auch nicht als Existenzberechtigung für Organisationen dienen, die vom Kampf gegen Rechts leben.
Eine kleine Bestätigung dazu lieferte die Kreisgruppe selber. Da wurde beklagt, dass Linke bei Wahlveranstaltungen angegriffen wurden und sich Rechtsextreme im Kreis mit Wehrsport betätigen würden. Die beiden Polizisten, die zur Sicherheit im Flur postiert waren konnten dies auf unsere Nachfrage nicht bestätigen. Von körperlichen Übergriffen war gar nichts bekannt und im Kreis seien lediglich ein paar Gotschaspieler ohne politischen Hintergrund aufgefallen. In Grefrath gebe es allerdings eine rechtsextreme Szene, was uns aufhorchen ließ. Doch gemach gemach, diese Szene besteht, entsprechend der Größe Grefraths, aus drei bis vier Mann. Also der übliche gesellschaftliche Bodensatz, der nicht gerade einen Millionenaufwand zur Bekämpfung rechtfertigt.
Off topic war ein Abstecher zur Rente mit 67. Für Daniel Wittmer ist es nur eine Frage der Umverteilung, damit man bei der Rente mit 65 oder darunter bleiben kann. Von erwirtschaften war dabei allerdings nicht die Rede. Geld kann man ja schließlich drucken.