Barak Obama hat es versprochen und so wird es auch geschehen. Die US Streitkräfte werden bis 2011 aus dem Irak abziehen. Für Ottonormalverbraucher erscheint dies als energische Entscheidung des neuen US Präsidenten. Kenner der Materie runzeln allerdings die Stirn. Diese Entscheidung und die Voraussetzung dafür wurden noch von dem geschmähten Georg W. Bush gefällt und geschaffen. Dreh und Angelpunkt dabei war und ist General Petraeus. Mit diesem Mann, der zum Mac Arthur dieses Zeitalters aufsteigen könnte, hat Bush einen absoluten Glücksgriff getan. Sein Vorgehen ist für das US Militär schon revolutionär, gibt es doch kaum eine Armee, die derartig vorschriftengläubig ist. Petraeus, obwohl in diesem System sozialisiert, hat nach eigehender Lagefeststellung alle Schranken durchbrochen und ein völlig neues Konzept erstellt. Man könnte meinen ein Hauch von Auftragstaktik weht durch die Stäbe der US Army. Jedenfalls gibt der Erfolg ihm recht. Die von ihm entwickelte und von Bush genehmigte Taktik des Surge ist derart erfolgreich, dass die Verantwortung für die Sicherheit im Irak bis zum Jahr 2011 endgültig an die irakische Armee und Polizei übergeben werden kann. Unter dem Aspekt, dass es 2007 in Bagdad noch täglich zu 40 Anschlägen kam eine mehr als erstaunliche Entwicklung.

Während man sich in Deutschland noch für Jahr gebunden sieht und heftige Gedanken um eine Exit-Strategie für Afghanistan macht und verzweifelt überlegt, wie man denn den Schwerpunkt von der militärischen Sicherung auf den Wiederaufbau legt, handeln die USA schon. Die Surge kommt nach Afghanistan und wird dabei den örtlichen Verhältnissen angepasst. Auch dafür sind die Wurzeln noch in der Bush Ära zu finden. Den Erfolg allerdings wird Barak Obama für sich verbuchen können. Auch er hat einen Glückgriff getan indem er Robert Gates im Amt beließ. Frei nach dem britischen Motto, dass man während des Rennens nicht den Jockey wechselt, ist so die Kontinuität der Operationen gewährleistet.

Es lässt sich absehen, dass die Verzagtheit der deutschen Regierung und dem daraus resultierenden schon fast ängstlichen militärischen Vorgehen uns bald so alt aussehen lassen wird wie bei der Polizeiausbildung. Nach dem deutschen Desaster auf diesem Gebiet haben die USA auch dies übernommen. Während sich unsere Soldaten weiter in ihren Festungen verschanzen, wird die US Army in die Fläche gehen und wie im Anbar Modell bei und mit der Bevölkerung leben. Allerdings nicht als never ending story sondern bis 2011. Der Termin ist gesetzt und wird sicherlich nicht großartig verlängert werden. Das dient natürlich auch dazu, Druck auf die Regierung in Kabul zu machen. Wenn sie das Land bis dahin nicht halbwegs im Griff hat, werden ihre Köpfe rollen. Aber die Chancen für halbwegs stabile Verhältnisse stehen nicht schlecht. Die Armee wird dann soweit aufgestellt sein und auch die Polizei in wesentlichen Teilen funktionsfähig. Schon heute können sie in Kabul und Herat beachtliche Erfolge vorweisen. Erst gerade wurde eine Terrorgruppe von Jalaluddin Haqqani ausgeschaltet und 17 Mitglieder festgenommen. Ohne westliche Hilfe wohlgemerkt. Das Vorgehen der afghanischen Sicherheitskräfte kann man getrost so werten, dass selbst die korrupte Regierung von Präsident Karsai eine bessere Alternative als die Taliban darstellt.

Ob unsere dann Regierenden mitkriegen, dass unsere Soldaten ziemlich einsam in ihren Igelstellungen liegen könnten ist ungewiss. Vorausschauendes Denken und Handeln sind schon lange keine Attribute deutscher Politik mehr.

Klotzen statt kleckern dürfen wir ja nicht mehr. Das Prinzip wurde von Heinz Guderian zumindest bekannt gemacht und der hat dummerweise in einer Epoche gelebt, von der wir nichts übernehmen dürfen ohne dafür ans Kreuz genagelt zu werden. Die Berliner Politik wird sich weiterhin mehr an Umfrageergebnissen orientieren als an den Notwendigkeiten für eine erfolgreiche Operation im deutschen Verantwortungsbereich. Die Suppe dürfen dann wieder die Soldaten auslöffeln.