Wenn Oberst Kirsch behauptet, die Regierung wäre am Tod der beiden Soldaten in Kunduz mit Schuld, ist das gar nicht so falsch. Seine Begründung dafür ist allerdings haarsträubend. Es würde zu wenig für den zivilen Aufbau getan. Damit gehört auch er zu der Fraktion der Realitätsverweigerer, die entgegen aller bisherigen Erfahrungen immer noch auf die Karte vom bewaffneten THW setzen.
Tatsache ich einfach, und das Anbar Modell im Irak hat es bewiesen, dass wir zu wenig Soldaten in der Fläche haben. Ein intensiver Kontakt zur Bevölkerung kann so einfach nicht hergestellt werden. Außerdem ist mittlerweile bekannt, dass sich die Hilfsorganisationen aus der Fläche zurückziehen, weil der militärische Schutz nicht gewährleistet ist. Wer soll also dann die Aufbauarbeit leisten? Man kann Oberst Kirsch also nur dringend empfehlen einfach einmal für ein Kontingent nach Kunduz zu gehen.
Schuld trifft aber nicht nur die Regierung sondern den gesamten Bundestag. Der Einsatz in Afghanistan ist ein ungeliebtes Kind und in Folge weicht man dem Thema aus. Mit Afghanistan lässt sich einfach keine Wahl gewinnen. Pech für die Soldaten. Denn deshalb gibt es nicht genug Geld für die erforderliche Ausrüstung und auch nicht genug Truppen, die immerhin schon seit Jahren gefordert, aber nie genehmigt wurden. Außerdem müsste man den Kommandeuren auch freie Hand geben und ihnen die Fesseln der aufoktroyierten Defensive abnehmen. Dies würde auch bedeuten, dass man die automatische Einschaltung der Staatsanwaltschaft in Deutschland unterlassen müsste und nur bei Fehlverhalten einschaltet. Es geht eben ums Kämpfen und wo geschossen wird gibt es auch Tote. Sowohl Clausewitz als auch Sunzui sollten zur Pflichtlektüre unserer Parlamentarier werden.