Oberst Gertz, der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, hat eine nette Debatte losgetreten. Befindet sich die Bundesrepublik Deutschland in Afghanistan im Krieg oder nicht? Der bewaffnete Konflikt in Afghanistan, wie es in Neudeutsch so schön heißt, ist sicherlich nicht mit klassischen Kriegen zu vergleichen. Dazu gehören üblicherweise zwei Staaten oder zumindest zwei verfeindete Bevölkerungsgruppen. Also sind wir schon gezwungen einmal aufzubröseln wer denn da gegen wen kämpft.

Die NATO auf Seiten der gewählten afghanischen Regierung gehört zu einer sehr inhomogenen Gruppierung. Diese lässt sich eigentlich nur durch die Definition des gemeinsamen Zieles erkennen. Der kleinste gemeinsame Nenner dürfte dabei ein konfliktfreies Land sein mit einer Gesellschaft, die ohne fremde Hilfe ein Minimum an Lebensstandard aufrecht halten kann.

Auf der anderen Seite haben wir die Taliban, deren Personal sich in Masse nicht einmal mehr aus Afghanen rekrutiert und deren Ziel aber ein Gottesstaat nach islamischen Recht ist, wie er schon einmal existierte. Dabei kann man es drehen und wenden wie man will, er war eine humanitäre und menschenrechtliche Katastrophe.

Obwohl die Afghanen insgesamt eher zu einem strengen Islam neigen scheinen die Taliban für sie doch des islamischen zu viel zu wollen. Dies bei Unterscheidungskriterien die dem normalen Westler eher marginal vorkommen. Durch diesen Umstand verschwindet der eigentliche Hintergrund mehr und mehr und man muss sich wieder 9/11 ins Gedächtnis rufen und sich der Worte Osama bin Ladens erinnern. Er hatte der westlichen Welt den Krieg erklärt, schlicht unserem Lebensstil. Deutschland führt also nicht einmal einen Stellvertreterkrieg für die USA sondern gehört selber zu den Zielen der Terroristen. Nicht weil wir irgendwo andere Völker unterdrücken, sondern einfach weil wir kein islamisches Gesellschaftsmodell wollen. Dafür hat sich der Begriff Kampf der Kulturen eingebürgert, der mir allerdings nicht zutreffend erscheint. Es geht dabei weder um Kultur oder Glauben sondern um Gesellschafts- und Wertesysteme.

Es handelt sich um einen Kampf auf breiter Ebene um unsere Weltanschauung. Den darf man auch in Berlin ruhig Krieg nennen und er hat auch deutlich mehr Unterstützung verdient.