Schon im Kommentar wird das deutsche Vorurteil bestärkt, dass es den Afghanen in erster Linie um den Wiederaufbau ihres Landes geht. Dem Bundesbürger ist aus mangelnder Erfahrung der Gedanke völlig fremd, dass es dem Afghanen in erster Linie einmal ums Überleben geht und nicht um Schulen und Krankenhäuser. Dabei orientiert er sich daran welche Seite, NATO oder Taliban, die größeren Erfolgsaussichten hat. Die schönste Schule nutzt ihm nämlich nichts, wenn die Taliban siegen, die Schule abbrennen und die „Kollaborateure“ entsprechend ihrer Art einen Kopf kürzer machen. Wichtig ist also in erster Linie der militärische Erfolg, denn nur damit gewinnt man die Herzen der Afghanen, bei denen die Taliban äußerst unbeliebt sind. Dies bestätigt auch eine Umfrage von ARD und BBC vom Dezember letzten Jahres. Am beliebtesten sind wir mit 71%. Doch schon an zweiter Stelle stehen die USA mit 65%. Hier mag dies überraschen, weil in Deutschland nur zivile Opfer gezählt werden. Die Afghanen sehen aber, dass die Amerikaner gegen ihre Feinde kämpfen und können sehr genau zwischen Reden und Handeln unterscheiden.
Das deutsche „Nein“ zu einem Einsatz im Süden erfolgt lediglich aus innenpolitischen Gründen und die Kritik unserer Verbündeten ist berechtigt. Die Risiken überlassen wir lieber unseren kleineren Verbündeten und tun so, als ob unser Einsatzgebiet auf einem anderen Planet liegt. Nur, wenn Kanada und die Niederlande ihre Kontingente abziehen, weil wir sie im Stich gelassen haben, wird der Süden fallen und die Taliban im Norden erscheinen. Was dann? Die Vogelstraußtaktik hat noch nie zu Erfolg geführt.
Der Kommentar von Oskar Lafontaine entbehrt jeder praktischen Erfahrung. Obwohl Spanien seine Truppen aus dem Irak abgezogen hatte, konnte im letzten Jahr nur knapp ein weiterer Anschlag verhindert werden. Lafontaine wäre gut beraten sich einmal bei seinen altgedienten Parteigenossen zu erkunden, die in den 70ern die RAF und palästinensische Terroristen unterstützt haben. Die haben sehr rational gehandelt und den Terror dort verstärkt, wo die Erfolgsaussichten am größten waren und Regierungen sich erpressen ließen.
In einer bei der Al-Quaida erbeuteten Anweisung wird deshalb folgerichtig empfohlen von Anschlägen in Polen abzusehen, weil die dortige politische Kultur das Eingehen auf Erpressungen verhindert. Vielleicht ein Hinweis für unsere Regierung?