Nun ist der Brief von US Verteidigungsminister Robert Gates in Berlin eingeschlagen und schon schlagen die Wellen hoch.

Darin, so wörtlich, bittet Robert Gates um deutsche Kampftruppen als Ersatz für das US Marines Kontingent im Süden.

Man kann es nicht anders sagen, der Wunsch ist legitim.

Doch warum dann diese Aufregung in Deutschland?

Das Problem ist schnell gefunden. Wieder einmal, wenn nicht wie immer, liegt es in unseren Politikern. Sie sind einfach nicht in der Lage auf der Zeitachse zu denken und ihr Handeln entsprechend abzustimmen. Der Brief von Robert Gates wird deshalb als Unverschämtheit betrachtet, weil darin gefordert wird endlich einmal die Konsequenzen aus den eigenen Zusagen zu ziehen. Jahrzehntelang hat die Bundesrepublik von militärpolitischen Krediten gelebt, nun ist Zahltag und das Ende des deutschen Sonderweges. Darauf hätte man sich vorbereiten müssen.

Als sich die deutsche Politik auf das Abenteuer Afghanistan einließ hat sie nicht die Lage vor Ort erkundet sondern erst einmal die Publikumswirksamkeit geprüft. Die erschien anfangs hervorragend. Deutschland als Friedensstifter und Helfer am Hindukusch. Leider wurde wieder einmal die Rechnung ohne den Wirt gemacht. In diesem Fall den Taliban, die kläglich unterschätzt wurden. Schon im Ansatz wurde aus politischen und vielleicht auch finanziellen Gründen mit viel zu schwachen Kräften agiert. Nicht einmal eigene Zusagen wurden eingehalten. Damit wurde den Taliban wieder Tür und Tor geöffnet, was diese sofort nutzten.

Nun gälte es diese Scharte wieder auszuwetzen und unsere Verbündeten, nicht nur die USA sondern auch Kanada und die Niederlande, fordern unsere Solidarität ein. Schon macht sich in Berlin Panik breit. Für deutsche Politiker war es bis jetzt undenkbar, tatsächlich Konsequenzen ziehen zu müssen. Bislang beschränkte sich das darauf nach einem Skandal zurück zu treten. Nun aber muss man im Amt bleiben und trotzdem die Verantwortung tragen. Einen Ausweg gibt es nicht.

Die Verharmlosung des Krieges in Afghanistan, nichts anderes ist es nämlich, rächt sich nun bitter. Man muss kein Prophet sein um zu wissen, dass es in diesem Jahr die ersten deutschen Toten in Kampfhandlungen geben wird. Den Militärs ist das klar und es ist Zeit, dass sich Politik und Volk darauf vorbereiten.

Das deutsche Volk sollte Robert Gates danken, dass er der verlogenen und ängstlichen deutschen Politik die Maske heruntergerissen hat. Willkommen im wirklichen Leben und ich bin sicher, das deutsche Volk kann damit umgehen.



3 Responses to “Afghanistan update”
  1. 1
    alend Says:
    16:08

    Du schreibst : “Jahrzehntelang hat die Bundesrepublik von militärpolitischen Krediten gelebt, nun ist Zahltag und das Ende des deutschen Sonderweges.”

    Nein so “einfach” ist es meiner Meinung nach nicht.Die im durch den Kalten Krieg besagten Kredite als US-Schutzmacht kann man immer vorschieben wenn es nun um die Zurückzahlung dieser geht.Die USA hatte in erstler Linie 2 Hauptgründe – die BRD als Absatzmarkt und die möglichste weite Ausdehnung nach Osten in Mitteleuropa um somit ihr Interessengebiet klar zu definieren.Nur sehe ich nicht das wir uns nun in der Art und Weise “bedanken” müssen das wir für US-Interessen bluten sollen. Wir machen uns durch ein Engagement in Afghanisten nicht nur mehr Feine in einem traditionell deutsch-freundlichen Gebiet sondern das kostet uns auch Unmengen an Steuergeldern die durch so einen Einsatz nie refinanziert werden.Wo liegen unsere Interessen am Hindukusch ? Jeder vernüftige Mensch weiss das solch ein “Krieg” gegen irruguläre Truppen (terror.Partisanen) und in ihrer asymmetrischen Kriegsführung nicht zu gewinnen ist.Man lässt sich da auf was ein was nicht in 3,5 oder 10 Jahren gewonnen werden kann…wenn überhaupt. Die US-Regierung ist nur noch wenige Monate an der Macht..warum sollten wir uns jetzt noch an Aktionen beteiligen die wahrscheinlich die hohen US-Militärs schon als aussichtlos bewerten.Die best-und höchstgerüstete Armee der Welt kommt einfach kaum einen Schritt voran und es erinnert doch sehr an die 80er Jahre und dem aussichtlosen Kampf der Sowjets gegen die Mudschaheddin.Wie sagte jüngst Peter Scholl-Latour ? Man kann stundenlang durch den Irak oder Afghanistan fahren ohne auch nur auf einen einzigen Soldaten der internationalen Truppenkontingente zu stossen.Das sind alles regionale Basen die mit einer echten Besatzung und der daraus resultierenden Kontrolle der Länder zu tun hat.
    Wir sollten die Bundeswehr erstmal so ausstatten wie es sich für eine moderne Krisen-und Interventionssarmee gehört bevor wir den Hilfs-Sheriff spielen und dann gucken wo es den Interessen in Politik und Wirtschaft dient mit diesen Kontingenten einzuschreiten….ein Sonderweg Deutschlands ist (wäre) zu begrüssen (wenn er sich denn auch so darstellen würde) …und andere Länder sollten diesen auch gehen um nicht in einen Strudel heraufgeschworener Konflikte zu landen.
    Nicht zuletzt sind solche Einsätze immer noch nicht mit den Mandaten,dem Auftrag der BW und der Verfassung zu vereinbaren auch wenn es durch die Politik leichtvertig und in Verkennung der Schwere so vermittelt wird…

  2. 2
    pmueller Says:
    16:00

    Es ist sachlich falsch, dass eine reguläre Armee keinen Krieg gegen irreguläre Kräfte und Partisanen gewinnen kann.
    Das klassische Beispiel ist der Sieg der französischen Armee über die FLN in Algerien 1961. Ohne Zweifel war diese vernichtet bevor Präsident de Gaulle die Unabhängigkeit Algeriens 1962 verkündete.
    In der deutschen Presse wird derzeit auch ausgeblendet, dass die US Army derzeit im Irak absolut erfolgreich ist, seitdem General Petraeus die Taktik geändert hat. Erfolge gönnt man den USA im Irak aber einfach nicht. Der desolate Zustand von Al Quaida im Irak ist daran erkennbar, dass beim letzten Attentat schon geistig behinderte Frauen eingesetzt wurden. Auch allgemein wurden die mehrheitlich aus dem Ausland stammenden Terroristen schon aus den wichtigsten Gebieten verdrängt und befinden sich weiterhin auf dem Rückzug. Dies hat zu einer Wanderungsbewegung über Pakistan nach Afghanistan geführt.
    Selbst in Afghanistan sind beachtliche Erfolge gegen die Taliban zu verzeichnen. Die Verlustverhältnisse der Taliban liegen zwischen 1:10 und 1:100, was bei den ihnen zu einem Einbruch der Kampfmoral geführt hat. Lediglich die personelle Schwäche der NATO hat bisher eine völlige Vernichtung der Taliban verhindert.
    Es ist ein Mythos aus Vietnam, dass ein mit einer Kalaschnikow bewaffneter Guerillakämpfer einem modernen Soldaten überlegen ist. Der Vorsprung in der Technik ist soweit fortgeschritten das solche Exoten nur noch auf die Fehler der Gegenseite hoffen können. In Afghanistan ist dies insofern der Fall, als die Regierungen der NATO Mitglieder den militärischen Forderungen nicht nachkommen. Sonst wäre dieser Krieg schon entschieden.

  3. 3
    alend Says:
    17:01

    Da muss und werde ich aber nun doch was zu schreiben müssen.
    Fangen wir bei dem Sieg der Franzosen in Algerien an.Systematische Massenhinrichtungen und Folterungen seitens der Franzosen sind heute längst bekannt und werden im Grunde nur durch eine Tabuisierung Frankreichs selbst kaum in der Öffentlichkeit besprochen.
    (siehe die Aussagen im Buch von General Aussaresses,”Services Spéciaux – Algérie 1955 -1957″)
    Desweiteren sehe ich nicht in allen Aktionen im Irak den “langen Arm” der Al-Quaida im Hintergrund.Mag sein das sich hier und da Eiferer dieser Organisation,oder sagen wir besser Idee,verbergen.Aber ich sehe viel mehr eine Mischung aus Freiheitskampf gegen eine Besatzungsmacht und die inneren Querelen zwischen Sunniten und Shiiten..jede Seite unterstützt von diversen Staaten und Organisationen (Iran,Saudi-Arabien usw.)
    Ein Verlustverhältnis an Hand von 1:10 oder 1:100 zu anzuführen halte ich für nicht sehr hilfreich…nimmt man als Vergleich allein den WK2 wo,sagen wir Sonderkommandos von SS oder Sowjetrussischen Truppen ähnlich hohe Verlustraten hatten ohne das sich je nach Kampfgeschehen daraus hätte ein Ausgang voraussagen können. (siehe SS in den Ardennen oder die Übermacht an russischen Soldaten gegenüber der Heeresgruppe Mitte..)Das es am Ende anders ausging lag nicht an der Unterzahl sondern klar am nicht vorhandenen Nachschub und der überdehnten Kampflinie.)
    Beides trifft in dieser Art so weder in Afghanistan noch im Irak zu.
    Das sich US-Amerika mittelfristig zurückziehen will oder muss ist klar zu deuten…sie werden es weder allein noch in der Allianz schaffen…sie sind da einer fixen Idee aufgesessen solche Staaten in einem Handstreich gefügig zu machen.Da mussten sie aber eben schon des öfteren einsehen…vielleicht leider…aber überall da wo irregulär und asymmetrisch gekämpft wird mussten sie auf kurz oder lang abziehen.Vielleicht nicht geschlagen…aber sicher auch nicht als Sieger.
    Die “sogenannten Exoten” haben die internationalen Truppen mürbe gemacht…und werden es…denn es ist Phantasie zu glauben das diese Leute vom Erdboden verschwinden.Hat der Westen “gesiegt”…ziehen wir vielleicht ab…und dann kommen die genau so wieder…die sind auch nicht blöde…nicht ohne Grund verkriechen die sich wenn es “ersnt” wird in die Grenzregionen zu Pakistan.Nur wie lange plant die Nato Truppen dort zu stationieren ? Wer soll das bezahlen und in 5 oder 8 Jahren noch eine Erklärung abgeben wenn wieder 10 Bundeswehrsoldaten in einer Sprengfalle am Hindukusch getötet würden ? Wir haben eben dort einen überalteten Bündnisvertrag zu erfüllen…mehr nicht.Echte,eigene Interessen…Fehlanzeige.
    Angenommen wir hätte 50-100.000 Natotruppen in Afghanistan…sofort wäre Ruhe…ja.Vielleicht.
    Dann ist 4 Jahre Ruhe…und dann wenn wir abziehen ? Es geht hier auch um Einstellung, Religion,Traditionen und Sichtweisen die mit unseren nichts zu tun haben…dann entstehen die ersten Trainingscamps die den abziehen Soldaten noch mal “einen Gruss” mit nach Hause geben werden…

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