Bei meiner Vorbereitung für eine Veranstaltung zum Thema „Einsatz in Afghanistan, warum?“ bin ich auf der Website der Uni Kassel auch auf eine Rubrik der Friedensbewegten gelangt.

Dabei fand sich dann auch ein Vortrag von Prof. Dr. Norman Paech MdB zu Afghanistan mit folgenden abschließenden Forderungen.

“Forderungen”

  • Sofortiger Abzug aller ausländischen Truppen. Das neueste Konzept zivil-militärischer Sicherung behindert den zivilen Wiederaufbau und ist Teil des Sicherheitsproblems.
  • Wiederherstellung der Souveränität und des Selbstbestimmungsrechts der Afghaninnen und Afghanen. Dazu gehört auch der Verzicht auf Fremdbestimmung des politischen und ökonomischen Systems.
  • Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten Infrastruktur und Wiederaufnahme der Entwicklungshilfeprojekte.
  • Aufnahme eines innerafghanischen Dialoges mit allen gesellschaftlichen Kräften.
  • Einführung eines Programms zur Durchsetzung der Resolution 1325 (2000): Systematische und umfassende Beteiligung von Frauen bei der Förderung von Frieden und Sicherheit, bei der Beendigung des Krieges sowie der Bewältigung der Kriegsfolgen
  • Internationale Hilfe bei der nichtmilitärischen Drogenbekämpfung und der Etablierung alternativer „Rohopium“-Märkte
  • Evaluation des gesamten ISAF-Einsatzes. Vorlage einer Evaluation des Einsatzes der Bundeswehr im Rahmen von ISAF durch die Bundesregierung

Berlin, den 10.10.2007 Dr. Norman Paech“

Zuerst wollte ich ihm direkt schreiben, habe mir dann aber erst einmal seine Vita unter www.bundestag.de angesehen und den Gedanken dann direkt aufgegeben.

Zerlegen wir also einmal den einzelnen Punkte.

  • Wenn man alle Truppen sofort abzieht braucht man den gesamten ISAF-Einsatz auch nicht mehr zu evaluieren.
  • Afghanistan ist ein moslemisches Land was die Selbstbestimmung von Frauen direkt ausschließt. Wenn man denn so will, gilt in Afghanistan derzeit eine Art demokratisches System, dass allerdings unter vielen Schwächen leidet. Zur Mentalität von Herrn Prof. Dr. Paech scheint Demokratie allerdings nicht zu passen, weshalb er sich auch bei den Linken so wohl fühlt.
  • Von jeglicher Sachkenntnis unbelastet schwadroniert es sich am Besten. Das Straßennetz wurde seit Kriegsende schon erheblich ausgebaut und auch sonstige Infrastrukturarbeiten durchgeführt, die das Land jetzt schon auf einen besseren Stand gebracht haben als vor dem Krieg. Der entführte Ingenieur Blechschmidt arbeitete an einem Staudammprojekt, das man wohl als Entwicklungshilfeprojekt betrachten kann. Be- und verhindert werden diese Projekte allerdings durch die Taliban, die jegliche Zusammenarbeit mit westlichen NGOs ablehnen.
  • Der Professor ist wahrscheinlich der erste, der sich bereit erklärt mit einem Selbstmordattentäter zu verhandeln. Eine Verhandlung mit den Taliban ist nicht möglich, da von diesen nicht gewollt. Die wissen genauso wie die Linke was gut für die Menschen ist und wollen regieren und nicht mitregieren. Diese Erkenntnis setzt aber Hintergrundwissen voraus.
  • Zu der Beteiligung von Frauen an der Politik s.o. Dies würde auch den militärischen Sieg über die Taliban voraussetzen.
  • Da frage ich mit tatsächlich, wie sich der Herr Professor das mit der nichtmilitärischen Drogenbekämpfung vorstellt. Die Drogenbarone sind schwer bewaffnet, einschließlich Panzern und Artillerie. Dagegen soll also dann ein Sheriff mit 45er Colt vorgehen?

Machen wir uns also nichts vor, es kann Herrn Professor unmöglich um die Afghanen gehen. So realitätsfremd kann man nicht einmal vom grünen Tisch in Deutschland aus sein. Hier werden mit billigsten Stichworten junge naive Idealisten geködert. Man sollte ihn ernsthaft einmal zu einem Besuch in Kabul einladen.