Gerade einmal 14 Zeilen war der RP die Meldung wert, dass Belgien mittlerweile 148 Tage ohne Regierung ist. Nun war die Regierungsbildung in Belgien noch nie besonders einfach, da sich die Parteienlandschaft nicht nur in politische sondern auch in sprachliche Räume aufteilt. Dennoch hat sich die Situation dramatisch verschlechtert. Mit seiner Gründung in Folge der belgischen Revolution 1830 ist Belgien in Europa ein relativ junger aber auch künstlicher Staat. Durch seine Kolonie Kongo erlebte er einen unglaublichen Aufstieg. Die Prachtbauten in Brüssel bezeugen dies immer noch. Voller Bauch streitet nicht gerne und so herrschte in Belgien lange Zeit eine Friede – Freude – Eierkuchen Stimmung. Mit dem Zusammenbruch der Kohle- und Stahlindustrie sowie der Unabhängigkeit des Kongo 1960 erfolgte aber der soziale Sinkflug. Wallonien, mit dem Zentrum Lüttich, versäumte eine Neuorientierung und verarmte. Grund waren die Hilfsgelder, hauptsächlich durch den flämischen Teil aufgebracht, die den Modernisierungsdruck wegnahmen und eine Trendwende verhinderten. Diese Situation ist bis heute ein Dauerzustand, der von den Flamen nicht mehr hingenommen wird. Entsprechend war die Regierungsbildung mit den unterschiedlichen Vorstellungen problematisch und scheint heute tatsächlich unmöglich. Von der deutschen Presse, aus welchen Gründen auch immer unbeachtet, gibt es aber schon Vorstellungen wie es weiter gehen soll. Die Flamen wollen unabhängig werden, die Wallonen zu Frankreich und in Eupen – Malmedy soll eine Volksabstimmung erfolgen. Es wäre schon eine Ironie der Geschichte, wenn auch dieser Landraub in Folge des WK I. revidiert würde. Übrig bliebe lediglich Brüssel, das keiner haben will. Zu viele Araber und 25% Arbeitslosigkeit, das möchte keiner am Bein haben. Wie der Streit auch immer ausgeht, es wird wieder deutlich, dass Staaten, die nicht in ethnischen Grenzen liegen, eben solche Probleme bekommen. Auch wenn die Bürger schon seit 177 Jahren den selben König haben. Wir dürfen gespannt sein auf die Schlagzeilen, wenn die Blase tatsächlich platzt und sich die heiligen Staatsgrenzen innerhalb der EU verschieben. Besonders wenn Deutschland ganz imperialistisch „Expandiert“.