Wie denn die Spezialisten immer an das Wort des Jahres war mir schon immer ein Geheimnis. Für dieses Jahr habe ich aber schon zwei Kandidaten im Visier: nachhaltig und ganzheitlich.

Keine anderen Begriffe wurden von Presse und Politik so oft missbraucht… ich meine natürlich benutzt, wie diese. Dabei wurde kein Politikfeld vom Artenvielfalt bis zum Zentralabitur ausgelassen.

Da stellt sich natürlich die Frage, warum diese Wörter sich solcher Beliebtheit erfreuen. Vermutlich liegt es daran, dass sie völlig dem Zeitgeist entsprechen. Im ersten Augenblick hören sie sich überaus positiv an. Nachhaltig ist doch etwas Dauerhaftes, was dem menschlichen Bedürfnis nach Sicherheit und Planbarkeit entgegen kommt. Und ganzheitlich vermittelt das Gefühl, dass alle Belange und Aspekte berücksichtigt wurden. Einfach schön und der entscheidende Vorteil ist auch noch, dass beide Begriffe so schwammig sind. Des modernen Menschen bevorzugter Stil ist es nämlich sich nicht festzulegen. Diesem Bedarf kommen beide Wörter in Gänze nach. Einfach toll, nur schade, dass ich sie langsam nicht mehr hören kann.

Für das Unwort des Jahres habe ich leider nur einen Kandidaten: Hassprediger. Auch dieser Begriff wurde mittlerweile von jedem für jeden benutzt. Zuerst richtiger Weise für fundamentalistische Imame und mittlerweile auch für deutsche Bischöfe. Die ursprünglich korrekte Formulierung wurde leider durch vielfältigen Missbrauch derartig verwässert, dass die gemeinten Adressaten dadurch kaum noch getroffen werden. Damit hat dieses Wort seinen Sinn verloren und ist überflüssig geworden. Also erster Platz für das Un(ötigste)wort des Jahres.



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